Lebens(T)räume
JUNGE CELLINIS 2013

            

 

                          Redemanuskript Preisverleihung "Junge Cellinis" 2013

 

 

Dr. Michael Henze,

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk

des Landes Nordrhein-Westfalen,

 

Grußwort Preisverleihung und Eröffnung

der Ausstellung „Lebens(T)räume“

Ergebnisse des Wettbewerbs „Junge Cellinis“2013

des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede

und Juweliere e.V.

am 14.4.2013 im LWL-Freilichtmuseum Hagen

 

 

 

Herr Gebhard, Herr Präsident Jagemann, Frau Wildi,

Frau Bürgermeisterin Kamps

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

zu solch einem schönen Anlass kommt man auch gern an einem Sonntag aus dem Rheinland nach Hagen, ins westfälische Freilichtmuseum.

 

Es gibt etwas Schönes für’s Auge, es gibt etwas Schönes für die Ohren (Band „Kaufenundschenken“) und vor allem gibt es junge, ausgezeichnete Goldschmiedinnen und Goldschmiede, es gibt also Handwerk vom Feinsten.

 

Nordrhein-Westfalen, meine Damen und Herren, galt lange als die Region des „schwarzen Goldes“ – der Steinkohle, die wenige Kilometer nördlich von hier seit etwa zwei Jahrhunderten aus der Erde geholt wurde.

 

Und bis heute soll es ja Leute geben, die unser Bundesland NRW vor allem mit der Montanindustrie verbinden, ein Land in dem mindestens die Hälfte der Bevölkerung unter Tage arbeitet.

 

Nun – das hat sich in den letzten 50 Jahren gehörig geändert. Wir können zwar immer noch Industrie und sind stolz darauf, aber unsere Wirtschaftsstruktur hat sich von einem zweibeinigen Koloss (Kohle und Stahl) zu einem geschmeidigen Tausendfüßler gewandelt.

Längst bestimmen Mittelstand und Handwerk das Gesicht dieses Landes und auch dieser Region. 99 % der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen sind kleine und mittlere. Im ganzen Land zählen wir allein rund 190.000 Handwerksbetriebe, in denen deutlich über eine Million Menschen beschäftigt sind.

 

Und weil das so ist, hielt es Frau Ministerpräsidentin Kraft für eine gute Idee, dem Handwerk auch im Namen des Wirtschaftsministeriums dieses Landes seinen Platz zu geben. Der Schirmherr dieser Veranstaltung, Garrelt Duin, ist tatsächlich der einzige Wirtschaftsminister in Deutschland, der sich zugleich Handwerksminister nennt.

 

Und der Landesregierung ist das Handwerk insgesamt, seine Arbeitsplätze, vor allem seine Ausbildungsleistung, viel wert.

 

Wir honorieren das z. B. mit unserer Meistergründungsprämie von 7500 Euro für Handwerker, die sich selbstständig machen und Arbeitsplätze schaffen.

 

Mir ist zwar bewusst, dass das Gold- und Silberschmiedehandwerk, dass Juweliere zahlenmäßig nicht die größte Gruppe unter den Handwerkern in Deutschland und in NRW bilden. Aber sie nehmen mit dem, was sie tun und wie sie es tun, eine ganz besondere Rolle ein.

 

Die Kreativität, das Schöpferische , das Individuelle und Persönliche ihrer Werke ist Beispiel, ja Vorbild für viele andere Gewerke und Branchen. Sie bilden mit ihrem Handwerk und ihrem Können gleichsam die Brücke zwischen Kunst und Wirtschaft, zwischen Ästhetik und Geld zwischen Tradition und Fortschritt.

 

Ihr Handwerk wird gern zur Kreativwirtschaft gezählt. Diese Kreativwirtschaft ist aber weit mehr als nur eine Branche der Volkswirtschaft. Sie ist zugleich ein Leitbild, mit dem heute weltweit erfolgreiche Volkswirtschaften punkten.

 

Denn tatsächlich sind es ja nicht die Bodenschätze – die Kohle, das Eisenerz, das Öl oder Gas und auch nicht das Gold –, die uns reich und auf Dauer erfolgreich machen.

Sondern es sind unser Wissen und Können, unsere Ausbildung und Erfahrung, unser Qualitätsbewusstsein und unsere Kundenorientie­rung, vor allem aber unsere Ideen und Kreativität, unser Einfallsreichtum und unsere Fantasie, die immer wieder Innovation und Neues schaffen.

 

Als Goldschmiede wissen Sie, dass nicht der reine Materialwert über den Preis entscheidet, den Sie bei einem Wettbewerb wie diesem gewinnen oder den Sie bei einem Verkauf erzielen.

 

Sondern, dass es auf Ihre Ideen ankommt, auf Ihre schöpferische Kraft und Ihr handwerkliches Können , auf Ihre Sorgfalt und Ausdauer, und nicht zuletzt auf die Arbeitszeit, die man den Stücken und Werken am Ende ansieht und abspürt.

 

So streben auch wir in Nordrhein-Westfalen danach, nicht nur ein Industrieland zu bleiben, sondern eine wahrhaft „kreative Ökonomie“ zu werden. Und das Vorbild, das die Kreativwirtschaft, das uns das Goldschmiedehandwerk dabei gibt, ist nicht das Schlechteste.

 

Etwas kommt noch hinzu: Ihr Handwerk geht zwar mit der Mode – viele der Objekte in der Ausstellung machen das deutlich – aber es ist zugleich zeitlos. Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte gibt es Schmuckstücke, die archäologischen und historischen Museen sind voll davon.

 

Seit den frühen Gold- und Silberfunden gibt es Gold- und Silberschmiede. Es gibt sie bis heute. Und sie finden nach wie vor ihren Nachwuchs und bilden ihn vortrefflich aus – auch und gerade hier in Deutschland.

 

Im Vergleich dazu sind die meisten Industriebranchen sehr junge Gewächse und viele von ihnen gibt es bei uns gar nicht mehr.

 

Wie es der Zufall will, eröffnet Herr Staatssekretär Dr. Horzetzky, mein Chef, genau jetzt, zur selben Stunde in Essen in der ehemaligen Zeche Zollverein eine andere Ausstellung. Sie trägt den Titel „Kohle global“ und verdeutlicht genau diesen Prozess: Das schwarze Gold hat für Deutschland ab 2018, wenn die letzte Schachtanlage schließen wird, nur noch historische Bedeutung.

 

Ich bin sehr froh, dass ich heute hier in Hagen diese Ausstellung mit eröffnen kann, eine Ausstellung voller Zukunft, die sich nicht mit dem schwarzen Gold, sondern mit dem echten, dem weißen, gelben und roten Gold beschäftigt.

 

Ich bin froh, dass die Preisträgerinnen und Preisträger – selbst dann, wenn sie nicht im Wortsinne zu neuen Cellinis werden – ihre Lebensträume nicht nur träumen, sondern sie auch verwirklichen.

 

Zugegeben: Nicht jeder Traum wird Wirklichkeit, aber was man nicht träumen kann, hat keine Wirklichkeit.

 

Herzlichen Glückwunsch den Preisträgerinnen und Preisträgern im Voraus und Ihnen allen viel Erfolg in Ihrem großartigen Handwerk!